Am 3. Juli 2020 beschloss der Deutsche Bundestag den Kohleausstieg. Nach Jahrzehnten der Debatten wurde gesetzlich festgelegt, dass die Kohleverstromung in Deutschland spätestens 2038 endet. Für das Rheinische Revier markierte dieser Beschluss einen historischen Wendepunkt – nicht nur für Klima- und Energiepolitik, sondern auch für die Zukunft unserer Landschaften und Gewässer.
Der Kohleausstieg kam nicht von selbst. Er ist das Ergebnis jahrelanger gesellschaftlicher Auseinandersetzungen und des Engagements unzähliger Menschen. Besonders die Proteste rund um den Hambacher Wald machten deutlich, dass viele Bürgerinnen und Bürger nicht länger akzeptieren wollten, dass für die Braunkohleförderung Wälder zerstört, Dörfer umgesiedelt und Landschaften dauerhaft verändert werden.
Ein Erfolg der Klimabewegung
Die Besetzung des Hambacher Waldes, die Massenproteste im Rheinischen Revier, Fridays for Future und zahlreiche lokale Initiativen haben den politischen Druck erheblich erhöht. Was lange als unrealistisch galt, wurde schließlich politische Realität: Das Ende der Kohleverstromung wurde beschlossen.
Auch wenn viele Umweltverbände und Wissenschaftler:innen den Ausstieg bis 2038 als zu spät kritisierten, war der Beschluss ein wichtiger Meilenstein. Später wurde für das Rheinische Revier sogar ein vorgezogener Kohleausstieg bis 2030 vereinbart.
Was bedeutet der Kohleausstieg für das Wasser?
Während oft über Klima, Energie und Arbeitsplätze gesprochen wird, geraten die Wasserfolgen des Kohleausstiegs häufig in den Hintergrund.
Dabei prägt der Braunkohletagebau seit Jahrzehnten den Wasserhaushalt des Rheinischen Reviers:
- Milliarden Kubikmeter Grundwasser wurden abgepumpt.
- Bäche und Flüsse wurden verlegt und künstlich gespeist.
- Feuchtgebiete gingen verloren.
- Natürliche Wasserkreisläufe wurden massiv verändert.
Mit dem Ende des Tagebaus stellt sich nun die zentrale Frage:
Wie soll die Region künftig mit Wasser versorgt werden?
Derzeit plant RWE, große Mengen Rheinwasser in die Tagebaurestlöcher einzuleiten. Die dafür vorgesehene Rheinwassertransportleitung (RWTL) ist hoch umstritten. Kritikerinnen und Kritiker weisen darauf hin, dass die langfristigen Folgen für den Wasserhaushalt, den Gewässerschutz und die Trinkwasserversorgung bislang nicht ausreichend geklärt sind.
Die eigentliche Aufgabe beginnt jetzt
Der Kohleausstieg beendet die Braunkohleförderung. Er löst aber nicht automatisch die ökologischen Probleme, die über Jahrzehnte entstanden sind.
Für das Rheinische Revier geht es nun darum,
- natürliche Wasserhaushalte wiederherzustellen,
- Flüsse und Bäche zu renaturieren,
- Grundwasserressourcen zu schützen,
- Klimaanpassung und Wassersicherheit zusammenzudenken.
Der Strukturwandel darf nicht nur ein Energie- und Wirtschaftsprojekt sein. Er muss auch ein Wasser- und Naturschutzprojekt werden.
Unser Fazit
Der 3. Juli 2020 bleibt ein historisches Datum. Ohne die Beharrlichkeit der Klimabewegung, der Hambi-Aktivist:innen und vieler Menschen im Rheinischen Revier wäre dieser Schritt kaum denkbar gewesen.
Sechs Jahre später zeigt sich jedoch: Der Kampf um eine lebenswerte Zukunft endet nicht mit dem Kohleausstieg. Er geht weiter – beim Schutz unserer Gewässer, beim Erhalt natürlicher Wasserkreisläufe und bei der Frage, wie wir das Rheinische Revier für kommende Generationen gestalten.

