Am 14. und 15. Juli 2021 erlebten Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und weitere Teile Westeuropas eine der schwersten Naturkatastrophen der Nachkriegsgeschichte. Innerhalb weniger Stunden fielen örtlich Niederschlagsmengen, die sonst in mehreren Monaten auftreten.
Besonders betroffen waren die Erft, die Rur, die Wupper und die Ahr. Flüsse traten über die Ufer, Straßen und Brücken wurden zerstört, Häuser fortgerissen und ganze Ortskerne verwüstet. Allein in Deutschland verloren mehr als 180 Menschen ihr Leben, tausende Menschen wurden verletzt oder verloren ihr Zuhause.

Ein Beispiel für die Auswirkungen der Flut im Rheinischen Revier. Die Erftverlegung bei Gymnich am Naturparkzentrum Rheinland verzögerte sich
Auch das Rheinische Revier war unmittelbar betroffen. Neben der Erft und der Rur führten unter anderem die Inde, die Wurm, die Swist sowie zahlreiche kleinere Bäche Hochwasser. Die Ereignisse machten deutlich, wie verwundbar auch unsere Region gegenüber Starkregen und Extremwetter ist.
Eine Katastrophe mit vielen Ursachen
Die extremen Niederschläge waren ein außergewöhnliches Wetterereignis. Gleichzeitig zeigte die Flut, wie verwundbar unsere Landschaften und Siedlungen geworden sind.
Über Jahrzehnte wurden:
- Flüsse begradigt,
- Auen bebaut,
- natürliche Überschwemmungsflächen reduziert,
- Böden versiegelt,
- Gewässer technisch ausgebaut.
Dadurch fehlt vielerorts der Raum, den Wasser bei Extremereignissen braucht.
Die Klimakrise macht Extremereignisse wahrscheinlicher
Die Erinnerung an die Flut verpflichtet uns, Wasserpolitik neu zu denken.
Dazu gehören:
- die Wiederherstellung natürlicher Auen,
- mehr Raum für Flüsse und Bäche,
- Entsiegelung von Flächen,
- Schutz von Feuchtgebieten,
- klimaresiliente Landschaften,
- eine konsequente Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie.
Gesunde Gewässer sind nicht nur Lebensräume. Sie sind auch ein wichtiger Teil des Hochwasserschutzes.

Der Kökner Randkanal südlich von Königsdorf (Frechen) als wunderbares Beispiel wie naturnahe Gestaltung mal so gar nicht aussieht…
Erinnern heißt handeln
Vier Jahre nach der Flut sind die Spuren vielerorts noch sichtbar. Gleichzeitig wächst die Erkenntnis, dass technischer Hochwasserschutz allein nicht ausreichen wird.
Die Flutkatastrophe von 2021 erinnert uns daran, dass Wasser zugleich Lebensgrundlage und Naturgewalt ist. Wer Gewässer schützt, schützt auch Menschen.
Als Wasserbündnis Rheinisches Revier gedenken wir der Opfer der Flutkatastrophe und setzen uns dafür ein, dass die richtigen Lehren gezogen werden – für eine zukunftsfähige Wasserpolitik, gesunde Flüsse und widerstandsfähige Landschaften.

