Am 2. Februar ist Welttag der Feuchtgebiete (World Wetlands Day). Er erinnert an das 1971 verabschiedete Ramsar-Übereinkommen, das den Schutz von Feuchtgebieten weltweit stärken soll. Ziel dieses Tages ist es, die enorme Bedeutung dieser oft übersehenen Naturräume sichtbar zu machen, auch hier bei uns im Rheinland.

Der De Wittsee bei Nettetal
Feuchtgebiete sind Hotspots der Biodiversität. Ob Feuchtwiesen, Moore, Bruchwälder, Sumpfgebiete, Flussauen oder Seen. Sie bieten Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten, regulieren den Wasser- und Nährstoffhaushalt, filtern Schadstoffe, puffern Hochwasser und speichern große Mengen Kohlenstoff. Damit sind sie zugleich natürliche Klimaschützer und eine der wichtigsten Landschaftsformen in Zeiten von Wasserkrise und Klimawandel.
Das diesjährige Motto stellt besonders das kulturelle Erbe von Feuchtgebieten in den Mittelpunkt. Denn diese Landschaften waren über Jahrhunderte prägend für das Leben der Menschen: als Weideland, Fischgründe, Torfabbaugebiete, Orte der Erholung, der Mythen und der regionalen Identität.

Graugänse auf der Nette bei Boisheim
Auch im Rheinland ist dieses Erbe bis heute sichtbar:
Die Rheinauen bei Niehl, Worringen oder Zons, die Bruchlandschaften wie der Kerpener Bruch, der Schwalmbruch oder Langenbroich (oder generell das häufige Vorkommen des Wortes Broich (= Bruch = Feuchtgebiet), Seen wie der Krickenbecker See oder der De Wittsee oder die Moore im Umfeld des Rheinischen Reviers, etwa das Todtenbruchmoor am Hürtgenwald oder die Moorreste im Schwalm-Nette-Gebiet.

Silberreiher am Norfbach bei Norf, Neuss
Besonders wertvoll sind die großen Feuchtgebietslandschaften Schwalm-Nette, die Auen von Erft, Niers, Schwalm und Nette sowie kleinere Gewässer wie Rotbach, Neffelbach, Gillbach oder Inde. Sie sind ökologische Rückgrate der Region und zugleich Orte, an denen Menschen seit Generationen gearbeitet, gelebt, gefischt, gemahlen, gebadet und Erholung gesucht haben.

Renaturierte Erft bei Frimmersdorf, Grevenbroich
Doch viele dieser Flächen sind bedroht: durch Entwässerung, Versiegelung, Grundwasserabsenkung, intensive Landwirtschaft und immer stärker durch den Klimawandel. Feuchtgebiete verschwinden leise. Dabei brauchen wir sie heute mehr denn je. Durch den Kohleausstieg stehen erneut ernsthafte Bedrohungen für die Feuchtgebiete im Rheinland an – und große Chancen. Ein Wasserhaushalt, der so stark überrpägt und durch die massenhafte Um- und Ableitung von Sümpfungswasser verändert ist, könnte sich nun endlich wieder erholen. Die Frage ist nur: Wie viel Raum gibt man der Natur im anstehenden Strukturwandel?
Der Welttag der Feuchtgebiete ist deshalb nicht nur ein Gedenktag, sondern ein politischer Auftrag:
Feuchtgebiete schützen heißt Wasser schützen. Biodiversität schützen. Klima schützen. Und unsere regionale Identität bewahren.

