Die Bezirksregierung Arnsberg hat den Rahmenbetriebsplan für Bau und Betrieb der Rheinwassertransportleitung (RWTL) zugelassen. Damit darf RWE eine rund 45 Kilometer lange Leitung vom Rhein zu den Tagebauen Hambach und Garzweiler errichten.
Diese Genehmigung bedeutet jedoch keineswegs, dass das Projekt damit ökologisch sinnvoll oder langfristig tragfähig ist. Sie betrifft ausschließlich Leitung und Wasserentnahme, nicht die eigentliche Einleitung des Wassers in die geplanten Seen. Die wasserrechtlichen Planfeststellungen für die Restseen stehen noch aus; für Garzweiler liegt bislang nicht einmal ein Antrag vor. Damit wird eine Infrastruktur genehmigt, ohne dass ihr zentrales Nutzungskonzept rechtlich und inhaltlich geklärt ist.
Die Rheinwassertransportleitung bleibt ein hochumstrittenes Großprojekt mit erheblichen Risiken für Gewässer, Grundwasser und den ohnehin stark belasteten Rhein. Über Jahrzehnte sollen Milliarden Kubikmeter Rheinwasser in künstliche Mega-Seen gepumpt werden. Und dass in einer Zeit, in der weltweit und auch im Rheinland eine strukturelle Wasserkrise absehbar ist. Dürreperioden nehmen zu, Grundwasserspiegel sinken, Nutzungskonflikte verschärfen sich.
RWE verweist auf ein gestaffeltes Entnahmekonzept bei Niedrigwasser. Faktisch bedeutet dies jedoch: In Trockenzeiten konkurriert die Seebefüllung direkt mit ökologischen Mindestanforderungen, Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft und Industrie. Die Annahme, der Rhein sei langfristig „belastbar genug“, steht im Widerspruch zu den Erfahrungen der letzten Sommer.
Hinzu kommt: Das Rheinwasser soll bislang ungefiltert in die Tagebaue eingeleitet werden, obwohl der Rhein mit Mikroschadstoffen, Industriechemikalien und Nährstoffen belastet ist. Eine verbindliche Entscheidung zur Wasseraufbereitung wurde auf spätere Genehmigungsverfahren vertagt.
Mit der jetzigen Genehmigung wird damit ein Nachnutzungspfad vorangetrieben, der enorme ökologische Folgekosten erzeugt und künftige Generationen an ein wasserintensives, kaum reversibles System bindet. Alternative, deutlich wassersparendere Konzepte wurden nie gleichwertig geprüft.
Die Genehmigung mag formal rechtlich wirksam sein. Sie beantwortet jedoch nicht die zentrale Frage unserer Zeit:
Ob es verantwortbar ist, in einer sich verschärfenden Wasserkrise künstliche Mega-Seen mit Flusswasser zu füllen, oder ob hier ein überholtes Denkmodell mit neuen Risiken fortgeschrieben wird.
Quellen:
https://www.bund-nrw.de/fileadmin/nrw/dokumente/braunkohle/2024-10-25-Planfeststellungsverfahren-RWTL-STN-Naturschutzverbaende-web.pdf
https://www.msn.com/de-de/nachrichten/panorama/rheinisches-revier-bau-der-rheinwassertransportleitung-startet-in-elsdorf/ar-AA1Vjlhi
https://www.waz.de/politik/article411068171/tagebau-zukunft-rheinwasserleitung-genehmigt-bald-bekommt-nrw-neue-seen.html
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/startschuss-fuer-riesige-wasserleitung-110827977.html
https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/landwirtschaft/36859.html https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/landwirtschaft/260114_nabu_x_bcg_water_study_short_versio

